„Politische Rahmenbedingungen und unternehmerische Strategien“
verfasst am 13. Juni 2010 von Andrea Juchem | 0 Kommentare
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Der Themenschwerpunkt des 2. Kongresstages der FEFAC lautete „Politische Rahmenbedingungen und unternehmerische Strategien“. Dazu sprachen Wolfgang Heer, Vizepräsident der Vereinigung der europäischen Ernährungsindustrie CIAA und Wout Dekker, Vorstandsvorsitzender Nutreco. Anschließend gab es nochmals einen Ausflug in die Welt der GMO mit Jacques du Puy, Generaldirektor Bayer CropScience und Ron Moore, Director, American Soybean Association.
Dr Wolfgang Herr, Vorstandschef von Südzucker und Vizepräsident der CIAA stellte zuerst seinen Verband kurz vor. In der CIAA sind die nationalen Verbände der Lebensmittel- und Getränkeindustrie aus Europa zusammengeschlossen, sowie einzelne Berufsverbände und große Lebensmittelkonzerne wie z.B. Coca-Cola, Danone, Nestlé und Unilever.
Seinen Vortrag „Forderungen und Empfehlungen der Lebensmittelindustrie zur Wettbewerbsfähigkeit“ begann Herr Dr Heer, in dem er uns eindrücklich ins Gedächtnis rief, welche Bedeutung der Nahrungsmittelindustrie in Europa zukommt.
Die europäische Food Industrie:
- hat mehr als 310.000 Unternehmen * (davon 300.000 KMU)
- beschäftigt 4,4 Millionen Menschen (davon 63% in KMU)
- ist größer als die Automobil- und die Chemische Industrie
- hat einen Umsatz von 965 Mrd. Euro (davon 49% in KMU)
Unser Industriezweig ist also sehr stark dominiert von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, müssen die Unternehmen in Zukunft an folgenden Stellschrauben drehen und vielfältigen Herausforderungen stellen. Die folgenden 7 Anforderungen sind ein Extrakt der 30 Ideen der „High Level Group on the Competitiveness of the Agro-Food Industry“:
- Qualifizierung der Mitarbeiter: Durch die Dominanz von kleinen und mittleren Unternehmen in der Nahrungsmittelindustrie wird zu wenig für die Punkte Mitarbeiterqualifizierung und F+E getan.
- Investitionen in F+E und Innovationen: Die meisten Innovationen werden von den wenigen großen Marktteilnehmern erbracht. Während in der EU die Ausgaben für F+E stagnieren, steigen sie aber gleichzeitig in den USA, China und Japan an.
- Produktionswachstum: Der Abstand im Produktionswachstum zu Ländern wie Brasilien und China ist erschreckend. Von 2001 wuchs es in Brasilien um 68%, in China sogar um 178%.
- Konzentration im Handel: Auch die Konzentration im Handel belastet die Food Industrie in allen Mitgliedsländern der EU.Auf die größten 3 Händler entfallen bis zu 90% (Niederlande) des Umsatz.
- Abbau von Handelshemmnissen: Die EU fällt im internationalen Bereich immer stärker zurück. Obwohl 2008 ein Zuwachs im Handel um 1,1 Mrd. generiert wurde, sank der Anteil der EU am Weltmarkt von 25% auf 17%.
- Versorgung mit Rohstoffen: Die Weltmarktpreise für Agrar-Rohstoffe unterliegen in den letzten Jahren immer größeren Schwankungen. Diese Schwachstelle stellt für die gesamte Industrie ein großes Risiko dar. Eine wettbewerbsfähige EU Landwirtschaft ist aber essentiell für die europäischen Lebensmittelhersteller. Die Bedeutung der Landwirtschaft kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ohne funktionierende Landwirtschaft wird Europa verwundbarer und nicht, wie das von Kritikern gerne kolportiert wird, um einige Milliarden reicher. Das wäre definitiv am falschen Ende gespart.
- Regulierungswut: Natürlich brauchen wir Normen und Standards betonte Dr Heer in seinem Vortrag. Aber mit Augenmaß sollten sie getroffen sein. Speziell der Mittelstand leidet unter Tiefe und Fülle der Regulierungen. Alleine das Beispiel Nulltoleranz für GVO zeigt, dass wenn hier nicht eine praktikable Lösung gefunden wird, sich die EU über kurz oder lang vom Weltmarkt verabschieden kann.
Als Empfehlung sprach Herr Dr Heer aus, dass die High Level Group erweitert werden und stärker mit der Wirtschaft zusammenarbeiten sollte.
Als nächster Redner gab Wout Dekker einen Einblick in „Nachhaltige Entwicklung in der tierischen Produktion, 10 Jahre CSR bei Nutreco“. Nutreco ist ein weltweit in der Tier- und Fischernährung tätiges Unternehmen, mit einem Umsatz von 4,5 Mrd. €, 10.000 Mitarbeitern und 120 Unternehmen in 30 Ländern.
Die Ernährung von Nutztieren ist an einem kritischen Punkt angelangt.Knappe Ressourcen, hohe Preisvolatilität, Klimawandel, staatliche Regulierungen treffen auf eine sich verdoppelnde Nachfrage in den nächsten 20 Jahren. Von der Weltbevölkerung ist eine Mrd. übergewichtig, eine Mrd. unterernährt.
Laut FAO müssen in den nächsten Jahrzehnten mehr Lebensmittel produziert werden als in den 10.000 vergangenen Jahren zusammengenommen.
Waren in den letzten Jahrzehnten die großen Themen:
- 45- 60 Beseitigung des Hungers
- 60 -80 Rationalisierung und Modernisierung
- 80 -99 Umwelt, Tiergesundheit
- 2000 – 2010 Lebensmittelsicherheit und – Qualität
so ist es heute Technologie und Nachhaltigkeit.
Vom rein zahlenorientierten Gesichtspunkt aus, ist es gewaltig was bzgl. der Effizienz in der tierischen Produktion geleistet wurde. Von 1975 – 2000 stieg die Michleistung pro Kuh um 60%, die Ferkelaufzucht um 55% pro Sau. In der gleichen Zeit wurde P und N in der Produktion um 50% zurückgefahren.
Bei den Fischen stieg die Produktion von 200.000 Tonnen 1991 auf 1 Mio. Tonnen 2010, der Antibiotikaverbrauch ging im gleichen Zeitraum von 0,2 kg/Tonne Fisch 1991 auf 0,02 kg zurück, das entspricht einer Verringerung von 99,3%.
Auch Wout Dekker betonte, dass das beste Mittel nachhaltig zu wirtschaften eine effiziente Tierhaltung und Nutzung ist. Ein Problem sieht er vor allem in der öffentlichen Wahrnehmung des Themas.
Der nächste Redner, Jacques du Puy von Bayer Crop Science widmete sich der „Nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit der EU Landwirtschaft“
China (34,5 Mrd. $) und die EU (35,5 Mrd. $) sind weltweit die größten Importeure von Agrargütern. Die Abhängigkeit von Europa vom Weltmarkt wächst. In Hektar ausgedrückt fehlen uns 35 Mio. Hektar Land. Dabei befinden sich die europäischen Verbraucher im Wettbewerb mit Verbrauchern im Rest der Welt.
Die Aufgabe auch der europäischen Landwirtschaft ist es, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren und öffentliche Dienste wie Erhaltung der Kulturlandschaft zur Verfügung zu stellen. Unser aller Aufgabe muss es sein, das Einkommen der Landwirte, das in den letzten Jahren viel zu großen Schwankungen unterworfen war, zu sichern.
Soweit die Berichte von den Vorträgen.
Alles in allem war es ein äußerst gelungener FEFAC Kongress. Ein großes Lob an die Organisatoren von FEFAC und DVT für die hervorragende Auswahl der Referenten und für den reibungslosen Tagungsablauf.
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