Aus der Region für die Region

verfasst am 15. Juni 2010 von Andrea Juchem | 1 Kommentar

Vermarktungschancen für die Landwirtschaft im Saarland. So lautet die Veranstaltungsreihe, die, initiiert vom saarländischen Wirtschaftministerium, in fünf Veranstaltungen Perspektiven für Vermarktung der  Produkte der saarländischen Bauern aufzeigen soll.

„Zukunft und Chancen für regionale Milcherzeuger“ war das Thema, über das am 14. Juni 2010  Vertreter des Handels, ein Professor für Soziologie, der Geschäftsführer der Bliesgau-Molkerei, und der saarländische Wirtschaftminister diskutierten. Aus dem interessierten Publikum aus Landwirtschaft und Gastronomie kamen zahlreiche Fragen..

Zu Beginn gab Werner Wack einen Einblick in die Entstehung der Bliesgau-Molkerei, die ursprünglich von fünf Milchbauern gegründet wurde, von denen heute noch zwei  dabei geblieben sind. Die Bliesgau Molkerei gibt es seit 2005; Ziel ist es, im nächsten Jahr zwei Millionen Kilogramm  Milch zu Milch, Quark und Joghurt zu verarbeiten. Die Bliesgau Molkerei gehört dem Bioland-Verbund an. Die Produkte findet man im Handel bei Wasgau als deren Bio-Eigenmarke.

Der Wirtschaftsminister Christoph Hartmann betonte in seiner Eingangsrede die Wichtigkeit der Landwirtschaft und des regionalen Konsums. Mit ein paar Zahlen unterstrich er eindrücklich die Veränderungen, die in der Milchwirtschaft stattgefunden haben. Seit den 1950er- Jahren haben 2/3 der Milchbauern aufgegeben, gibt es 1/3 Kühe weniger, aber die übrig gebliebenen machen 120 % der Milchproduktion. 96 % der im Saarland gemolkenen Milch wird nicht im Land verarbeitet.

Der Wunsch des Wirtschaftsministeriums ist es, durch die Veranstaltungsreihe Impulse und Handlungsanregungen zu geben, von denen alle Beteiligten profitieren: Bauern, Handel und Verbraucher.

Prof. Dr. Dr. Olaf Kühne, Geograph und Soziologe, beleuchtete die acht großen Trends in der Ernährung:

  • Functional Food auf Milchbasis
  • Fertigprodukte
  • Biokost
  • Fast Food
  • Ethno Food
  • Renaissance der vergessenen Lebensmittel
  • Neue Zubereitungsarten
  • Light und Low Fat.

Und auch wenn es eher ungewöhnlich klingt, so passen regionale Lebensmittel sehr gut in den Trend der Ethno-Foods. Hier findet eine „Binnen-Exotisierung“ statt. Die „alten“ Sachen werden wieder chic. Es findet eine Konvergenz statt zwischen der Sehnsucht nach Lokalität und  Heimat und das Althergebrachte mit neuen Augen zu sehen.

Sein Fazit: Milchprodukte liegen im Trend. Das Fremde, Exotische muss mit dem Althergebrachten kombiniert werden. Es muss gelingen, die Trendsetter zu begeistern, um eine dauerhafte Nachfrage zu sichern. Die Menschen müssen erkennen, dass Landschaft und Lebensmittel unmittelbar zusammenhängen.

Auf den Boden der Tatsachen wurden die rund 70 Zuhörer in der Bliesgau-Molkerei in Ommersheim dann wieder von den Vertretern des Handels geholt.  Michael Ipfling, Geschäftsführer Globus Saarlouis, und  Burkhard Schmidt, Inhaber eines großen Edeka-Marktes in Bous, betonten beide, dass der Preis für den  Kunden zwar wichtig sei, aber nicht an erster Stelle käme. Dennoch sehen sie sich im Zwang, die von den Discountern vorgebgeben Niedrigpreise mitzugehen, da sie sich ja nicht wie Herr Ipfling es ausdrückte „vom Markt verabschieden könnten“. 98 % der Verbraucher kauften bei Aldi, daher der  Druck zu preisaggressiven Angeboten.

Der Verbraucher hat die Preise für Eckprodukte im Kopf, dazu zählen (leider) Milch, Butter, Mehl, Zucker und Eier.

Beide bekräftigten aber ihre Offenheit für regionale Produkte.  Michael Ipfling betonte sogar, dass sie nicht nur alle regionalen Themen aufgreifen könnten, sondern sich dies sogar mit Kleinstanbietern vorstellen könnten, was heute wohl bei Honig auch schon praktiziert wird. Ab Herbst soll es dann auch eine regionale Milch bei Globus zu kaufen geben.

Nach diversen Fragen aus dem Publikum endete der Vortrag mit einer Zusage des Wirtschaftsministers, regionale Produkte, nach denen eine echte Nachfrage bestehe, im Rahmen der Möglichkeiten zu fördern.

Die nächsten Veranstaltungen finden statt am

  • 15. Juli 2010, 10 Uhr: Saarländisches Fleisch – Aushängeschild der Genussregion, Trautzberger Hof, Freisen
  • 26. Juli 2010, 17 Uhr: Vom Saarlandweizen zum Saarlandbrot – Getreide in der Region, Baltersbacher Hof, Ottweiler
  • 18. August 2010, 15 Uhr: Mehr saarländisches Gemüse in saarländischen Supermärkten, Lisdorfer Frischgemüse GmbH, Saarlouis
  • 13. September 2010, 15 Uhr: Urlaub auf dem Bauernhof – Chancen für saarländische Betriebe, Johanneshof, Mettlach-Wehingen

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