Klinische und subklinische Ketose- erkennen und vorbeugen

verfasst am 14. Juli 2011 von Dr Bernhard Rothschild | 0 Kommentare

Die Ketose ist eine Krankheit, die vor allem bei Kühen zu Laktationsbeginn auftritt.
Ursache der Ketose ist ein Energie-, insbesondere ein Glukosemangel. Dieser wird meist bedingt durch unzureichende Futteraufnahme infolge einer „Grundkrankheit“ (Gebärparese, Mastitis, Endometritis, Labmagenverlagerung, Fremdkörpererkrankung, Lahmheit) oder von Managementfehlern (nicht genügend Fressplätze oder Jungtiere, die von ranghöheren Kühen abgedrängt werden), die zu einer verminderte Futteraufnahme führen.
Dieser entstehende Energiemangel führt dazu, dass Körpersubstanz abgebaut wird. In der Leber werden aus abgebautem Körperfett Ketonkörper gebildet, die über Milch und Harn wieder ausgeschieden werden. Typisch für diese Krankheit ist auch der „fruchtige“ Geruch (ähnlich wie der Klebstoff UHU) der Atemluft der Tiere, in der ebenfalls Ketonkörper enthalten sind.
Klinisch zeigen sich nachlassende Milchleistung und Fressunlust; zentralnervöse Symptome verschiedener Ausprägung sind möglich. Besonders gefährdet sind Kühe, die sich vor der Geburt ausgeprägte Fettpolster angelegt haben (Hyperlipomobilisationssyndrom). Eine Therapie der akuten Ketose erfolgt in Form von Glukoseinfusionen oder der oralen Verabreichung glukoplastischer Substanzen.
Hilfreich sind Energietrunks direkt nach dem Kalben (Milkivit Kuhtrank) sowie Gaben von Propylenglycol in den ersten Laktationstagen (bis zu 10 Tage je 250-300 ml/Tag in die Backentasche).
Auf vorbeugende Maßnahmen sowie die Erkennung der subklinischen Ketose soll im Folgenden weiter eingegangen werden.
Die Bedeutung der Rationsgestaltung und des Fütterungsmanagements nimmt mit der Leistung der Kühe zu. Hochleistungskühe sind anfälliger als Kühe mit niedriger Leistung, denn sie müssen in kürzester Zeit die Umstellung von der Trockensteherphase zur Hochleistungskuh meistern. Da die Futteraufnahme der Tiere begrenzt ist, kommt es darauf an, in der Hochlaktation eine Ration mit hochkonzentrierten Nährstoffefuttern anzubieten, ohne eine geordnete Pansenfunktion zu vernachlässigen.
Das heißt:
- nur beste Silagequalitäten (1. und 2. Schnitt),
- eine ausgewogene Rationsgestaltung sowie
- hoch konzentrierte Eiweiß- und Kraftfuttermittel in der Ration.
Wie oben beschreiben, muss ebenfalls darauf geachtet werden, dass die Kuh das Futter auch ausreichend aufnimmt. Lahmheiten, nicht ständige Futterverfügbarkeit, mangelnder Fressplatz etc. hemmen die Futteraufnahme und bringen die Tiere schnell in ein Energiedefizit. Subklinische Ketosen treten nicht mit diesen oben geschilderten ausgeprägten Symptomen auf, jedoch lösen sie zahlreiche Folgekrankheiten aus, die oft nicht mehr mit einer Ketose in Verbindung gebracht werden.
Oft bilden sie ein Bestandsproblem, welches mit einiger Aufmerksamkeit gut erkannt werden kann.
Eine Möglichkeit zur Erkennung einer subklinischen Ketose ist die Auswertung der Milchkontrollberichte. Dort werden die Tiere und deren Leistungen getrennt nach Laktationstagen aufgelistet. Interessant sind dabei besonders die Zahlen der Tiere in den ersten 100 Laktationstagen. Weist die Milchkontrolle hier einen deutlich niedrigeren Eiweißwert als in den beiden letzten Laktationsdritteln auf, kann ein Energiedefizit der Frühlaktierenden vermutet werden.
Aussagekräftig ist auch der Fett : Eiweiß-Quotient in dieser Tiergruppe. Liegt dieser über 1,5 (also sehr hoher Fettgehalt und/oder niedriger Eiweißgehalt, bezogen auf Holstein Frisian Kühe), kann dies auf Probleme in der ketotischen Stoffwechsellage mit starker Fettmobilisation hinweisen. Eine starke Fettmobilisierung ist auch durch Beobachtung der Tiere und mit Hilfe des Body Condition Score gut zu erkennen.
Der Höhepunkt solcher Ketosen liegt meistens in der 3. bis 5. Woche nach der Kalbung.
Sie wirken sich stark negativ auf das Immunsystem der Tiere aus, was zu erhöhter Inzidenz infektionsbedingter Erkrankungen (Mastitis, Endometritis, Klauenerkrankungen etc.) führen kann. Haben Sie in Ihrer Herde Anzeichen einer klinischen oder subklinischen Ketose gefunden, raten wir zu einer Zusammenarbeit mit Ihrem Tierarzt, sowie einer eingehenden Grundfutteruntersuchung und anschließenden Rationsberechnung durch unsere Berater.

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