Mineralstoffversorgung in der Milchviehfütterung
verfasst am 20. Juni 2011 von Dr Bernhard Rothschild | 1 Kommentar
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Mineralstoffe dienen dem Körper als Baustoffe (Knochen, Zähne, Gewebe etc.) und sind Bestandteile tierischer Produkte (Fleisch, Milch, Eier etc.). Sie sind ebenso Bestandteil von Enzymen und Hormonen, an Stoffwechselprozessen beteiligt, helfen Muskeln, sich zu bewegen und Nahrung zu verdauen.
Ein Mangel an Mineralstoffen führt zu gesundheitlichen Schäden, Fruchtbarkeitsstörungen, Leistungsminderungen und Qualitätsproblemen. Je höher die Leistung unserer Nutztiere, desto wichtiger ist eine bedarfsgerechte Versorgung mit Mineralstoffen. Mineralstoffe sind lebenswichtige Grundstoffe, die mit der Nahrung dem Körper zugeführt werden müssen. Man unterscheidet dabei in Mengenelemente (Calcium, Phosphor, Kalium, Natrium, Magnesium, Chlor und Schwefel) und Spurenelemente (Eisen, Mangan, Zink, Kupfer, Kobalt, Jod, Molybdän und Selen).
Spurenelemente sind anorganische Elemente, die nur in geringen Konzentrationen (<50 m/kg Körpergewicht) im Körper vorkommen. Ein anhaltender Mangel an Spurenelementen kann klinische Erscheinungen verursachen, die aber oft nicht eindeutig sind. Im Folgenden betrachten wir einige wichtige Spurenelemente und erläutern die klinischen Erscheinungen, die bei einem Mangel an diesen Spurenelementen auftreten:
Selen
Selenmangel ist in unseren Regionen relativ häufig, da der Südwesten von Deutschland allgemein als Selen-mangelgebiet gilt. In den Wintermonaten ist der Selenmangel deutlicher ausgeprägter als in den Sommermonaten. Selenmangel verursacht Wachstumshemmungen, Immunsupressionen, Fruchtbarkeitsstörungen, Verkalbungen, Nachgeburtsverhaltungen, Gebärmutterentzündungen und Ovarzysten. Vermindertes Haarwachstum und Muskelschwund werden ebenfalls genannt. Selenreich sind Maisnachprodukte und Sojaschrote. Getreide enthält wenig Selen, ebenso Gras- und Maissilagen. Die Selengehalte in Futtermitteln hängen sehr stark von der Bodenart und der Düngung ab.
Vorsicht: Hohe Selenmengen wirken toxisch.
Kupfer
Kupfer ist für Strukturen von Haar und Wolle verantwortlich, für eine gute Ausbildung des zentralen Nervensystems und des Skeletts sowie die Fruchtbarkeit und das Immunsystem. Kupfer wird von Wiederkäuern nur in geringen Mengen vertragen. Mangelerscheinungen äußern sich durch Lecksucht, Gewichtsabnahme, Anämie, Störungen in der Knochenbildung, Erde fressen und starke, unstillbare Durchfälle. Die Fruchtbarkeit wird ebenfalls negativ beeinflusst, es zeigen sich Konzeptionsstörungen, stille Brunsten, frühe Embryonaltode und Nachgeburtsverhaltungen. Ein deutliches Zeichen ist auch die „Brillenbildung“, eine Haarverfärbung rund um die Augen. Vor allem in Sand- und Moorböden sind die Kupfer-Gehalte sehr niedrig. Wenig gehaltvoll an Kupfer sind Rüben, Getreide und Milchprodukte. Grünfutter, Heu und Silage haben einen mittleren Gehalt, Bierhefe, Ölschrote und -kuchen einen hohen Gehalt an Kupfer.
Vorsicht: Schafe sind besonders empfindlich gegen Kupfer, daher keine Milchleistungs- oder Kälberfutter an Schafe füttern.
Eisen
Ein Mangel an Eisen äußert sich durch blasse Schleimhäute (Augen, Zunge), ein raues Haarkleid, Abmagern und verminderte Krankheitsresistenz. Eisen hat eine zentrale Funktion im Sauerstofftransport des Blutes und ist wichtiger Bestandteil von Enzymen und Proteinen. Mit Ausnahme von Hackfrüchten und Milch sind die meisten Futtermittel reich an Eisen. In Ölsaaten und Getreidenachprodukten ist das Eisen jedoch schlecht verfügbar (Eisenphytat).
Zink
Eine Zinküberversorgung hat keine negativen Folgen, eine Unterversorgung jedoch führt zu Wachstumshemmungen, Haarausfall, Haut- und Klauenschäden, Fruchtbarkeitsstörungen (reduzierte Konzeptionsrate, später Nachgeburtsverhaltungen) und einem Rückgang der Milchleistung. Auch Klauenprobleme treten häufiger auf. Rauh- und Saftfuttermittel sowie Getreide enthalten wenig Zink. Ölschrote, Hefen und Biertreber sind dagegen zinkreich.
Mangan
Mangan ist am Stoffwechsel beteiligt, an Blutfarbstoff und Fellpigmentierung. Es steuert das Knochenwachstum und den Ablauf der Geschlechtsfunktionen. Bei einem Manganmangel kommt es zu stillen Brunsten, einer gestörten Libido des Bullen inklusive schlechter Spermaqualität, vermehrten Aborten und hoher Kälbersterblichkeit. Eine anormale Skelettentwicklung wurde ebenfalls beobachtet. Ölkuchen und -schrote, Kräuter und Leguminosen enthalten viel Mangan.
Eine Diagnostik der Mangelsituation im Betrieb erfolgt über die Blutuntersuchung. Bitte sprechen Sie bei einem Verdacht mit ihrem Tierarzt.Vorsorgen können Sie einem Mangel an Spurenelementen vor allem durch die tägliche, angepasste Mineralfutterversorgung. Diese hängt zum einen von der Leistung des Tieres ab (Milchleistung, Wachstum), zum anderen auch von den Spurenelement-Gehalten in ihren Futtermitteln. Eine zusätzliche Untersuchung Ihrer Grundfuttermittel zumindest auf den Gehalt an Mineralstoffen macht auf jeden Fall Sinn und kostet weniger als eine evtl. zu hoch bemessene Mineralfuttergabe oder die Probleme, die ein Mineralstoffmangel bei den Tieren mit sich bringt.
Die Mitarbeiter der Juchem-Gruppe beraten Sie gerne zu diesem Thema und berechnen eine für Ihre Tiere passende Futterration mit einem angepassten Mineralfutter.











1 Kommentar
Neuen Kommentar verfassenHarald
Hallo,
dieser Artikel ist hochinteressant. Zuallererst war ich sehr erstaunt, welche Bestandteile ins Futter gehöhren, um ehrlichn zu sein, ich war schon ein wenig erschrocken. Aber letztendlich ist es in der Masse wieder schlüssig.
Für mich persönlich ist das ein Blogeintrag mit hohem Informationsgehalt.
Danke und viele Grüße