Bauernblog

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Was kostet die Milch?

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Erzeugerkosten höher als Weltmarktpreis

(aid) – Die Milcherzeugergemeinschaft Milch Board hatte schon vor der Internationalen Grünen Woche 2013 (IGW) in Berlin den Milch-Marker-Index angekündet, mit dem die Milchbauern in die Preisverhandlungen mit den Molkereien gehen können. Endlich sollten belastbare Daten zur Verfügung stehen, auf die sich die Landwirte berufen können (siehe aid-Newsletter 01/2013).

Auf dem Weg zum Index wurde zur Grünen Woche das Gutachten über die Milcherzeugungskosten vorgestellt. Gutachterin Dr. Karin Jürgens vom Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL) errechnete für die drei Regionen Ost, Nord und Süd Milcherzeugungskosten in Höhe von 45,07, 43,06 und 51,03 Cent je Kilogramm Milch. Die Durchschnittskosten von 50 Cent je Kilogramm scheinen hoch, ähneln aber den Berechnungen des Milchreport Bayern 2011, der 49,3 Cent je Kilogramm Milch errechnete. Das Gutachten bezieht sich jedoch auf eine wesentlich größere Datenbasis. Vielleicht ist die Zahl “50 Cent” deshalb nur verhalten kommentiert worden. Das Milchforum des Deutschen Bauernverbandes (DBV) auf der IGW arbeitete unter dem Motto “Damit wir auch morgen noch melken können” indirekt aus, ob die 50 Cent jemals bezahlt werden könnten.

Für Professor Harald von Witzke, Agrarökonom an der Humboldt-Universität zu Berlin müssten die Erzeugerkosten regionaler erfasst werden. Steigende Effizienz werde die Kosten senken und die Milch auch für den Weltmarkt attraktiv machen.

Nach DBV-Vizepräsident Udo Folgart ist es eine große Leistung der Molkereien, die produzierte Milch ohne Überhang verkauft zu haben. 30 Milliarden Kilogramm gingen 2012 in den Export. Die 1,2 Milliarden Euro Umsatz daraus kämen auch bei den Betrieben an und schafften eine Wertschöpfung im ländlichen Raum. Durch Partnerschaftsabkommen solle die EU neue Absatzmärkte erschließen und festigen. Laut Peter Bleser, Parlamentarischer Staatsekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, leiste diese exportierte Milchmenge einen Beitrag zur Welternährung. Es müsse aber besser koordiniert werden, damit Händler in Indien und China die Herkünfte und Qualitäten besser einschätzen können.

Martin Häusling hingegen ist skeptisch. Der Europaabgeordnete der Grünen wirft den Quotenaussteigern “Marktträume” vor, die sich nicht realisieren ließen. Von den jetzigen Milchpreisen von 32 Cent je Kilogramm müsse der Anteil an Direktzahlungen in Höhe von sechs bis zehn Cent noch abgezogen werden. Die meisten Milchbetriebe lebten von der Substanz oder vom Nebenerwerb. Deutschland und Europa würde sich nie mit den Inlandsproduktionen in Indien und China messen können, die auf absehbare Zeit selbst genug Molkereiprodukte erzeugen werden. Weltmarktpreise in Höhe von 30 Cent werden die deutschen Bauern nie ohne Zuzahlungen durchstehen können. Häusling warnte außerdem vor den Partnerschaftsabkommen. Was bei kleineren Staaten durchgesetzt werden könnte, werde bei den großen Verhandlungen mit dem Mercosur (Gemeinsamer Markt Südamerikas) und den USA schnell ins Gegenteil umschlagen können.

Von den im Gutachten festgestellten hohen Erzeugungskosten sprach da schon niemand mehr. Nur Udo Folgart warnte vor noch weiter steigenden Kosten, wenn beispielsweise für die Jauche- und Gülleanlagen die Doppelwandigkeit Pflicht werde.

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Von der Milch leben

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Sehr schöner, unaufgeregter Film über einen deutschen Milchbauern.

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Niedriger Milchpreis – hohe Futtermittelkosten

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Lage der Milchbauern wird zunehmend schwieriger

(aid) – Die deutschen Milchviehhalter leiden derzeit unter den niedrigen Milchpreisen und gleichzeitig steigenden Futtermittelkosten. So sind die Erzeugerpreise im ersten Halbjahr 2012 kontinuierlich zurückgegangen. Im Juni wurde erstmals seit zwei Jahren im bundesweiten Durchschnitt die Marke von 30 Cent pro Kilogramm knapp unterschritten, meldet die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI). Im Herbst werden die Auszahlungspreise für die Bauern vermutlich wieder etwas steigen, da dann weniger Milch auf dem Markt ist.

Gleichzeitig lässt die Dürre in den USA aber die Kurse für Futtergetreide, Ölsaaten und Eiweißpflanzen weiter ansteigen. Durch das knappe Angebot erhöhen sich die Futtermittelkosten, erklärt der Deutsche Bauernverband (DBV). Besonders deutlich sei der Preisanstieg bei Getreide und Eiweißkomponenten. Die Preise für Sojaschrot sind von Januar bis Juli 2012 um fast 50 Prozent gestiegen. Der Milchpreis kann die Kosten nicht decken, und viele Betriebe sind laut dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) in ihrer Existenz bedroht.

Die niedrigen Erzeugerpreise für Milch sind bei einigen Produkten auch beim Verbraucher angekommen. Während sich die Lebensmittelpreise laut Statistischem Bundesamt insgesamt in den vergangenen zwölf Monaten um drei Prozent erhöht haben, waren die Preise für H-Milch und Sahne (je minus 7 %) sowie Butter (minus 23 %) niedriger als im Juli 2011 (Margarine dagegen knapp zehn Prozent teurer). Einen Preisrutsch für Milchprodukte hatten die Discounter ausgelöst, als sie die Preise für Joghurt, Eiskrem und weitere Molkereiprodukte gesenkt hatten. Das hat für Unmut bei deutschen Milcherzeugern gesorgt, da sie auf allen Produktions- und Vermarktungsstufen einen angemessenen Wert für ihr Lebensmittel erzielen möchten.

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Fachtagung Milchwirtschaft in Göttingen

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Was bedeutet die GAP-Reform für Milchviehbetriebe?

Die Umsetzung der GAP-Reform kann aufgrund des engen Zeitplanes wahrscheinlich erst im Januar 2015 erfolgen, so die Einschätzung von Professor Dr. Bernhard Brümmer von der Universität Göttingen. Die viel diskutierten Vorschläge der EU-Kommission wirken in Bezug auf die Milchwirtschaft über den Wegfall der Quoten, Änderungen bei den Direktzahlungen sowie über das “Greening”.

Brümmer sagte bei der 6. Fachtagung für Milchwirtschaft im Dezember 2011 in Göttingen, dass seiner Einschätzung nach das Auslaufen der Quoten nur marginale Einflüsse auf die Preisentwicklung haben werde, weil der europäische Milchpreis aufgrund der Netto-Exportsituation der EU am internationalen Milchpreis hänge. Das Ende der Quoten werde aber die regionale Spezialisierung verstärken. Die Auswirkungen der Direktzahlungen könnten regional sehr stark schwanken und bei einzelnen Betrieben zum Teil starke Einkommenseffekte haben. Die Kosten des “Greening” in Deutschland schätzt die Kommission auf rund 45 Euro pro Hektar prämienberechtigter Fläche, EU-weit sollen die Kosten bei rund 30 Euro pro Hektar liegen. Diese Durchschnittszahlen verstellen Brümmer zufolge den Blick auf die regional sehr unterschiedlichen Auswirkungen. So werde das Dauergrünland-Umbruchverbot in Grünlandregionen kaum zusätzliche Kosten verursachen, während die verbindliche Einhaltung einer mindestens dreigliedrigen Fruchtfolge in spezialisierten Maisanbauregionen hohe Kosten nach sich ziehen dürfte. Brümmer bezeichnete das “Greening” als relativ grobes Instrument, weil damit den regionalen Besonderheiten nicht genügend Rechnung getragen werde. Als ungelöste Probleme der GAP bezeichnete Brümmer unter anderem die Handelswirkungen der EU-Agrarpolitik. Problematisch aus seiner Sicht ist auch die mangelnde Zielgenauigkeit der Instrumente der GAP in Bezug auf die Ziele “Bekämpfung des Klimawandels”, “Bekämpfung des Biodiversitätsverlustes” und “effizientere Wassernutzung”. “In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob Greening und Cross Compliance hier hilfreich sind.”

Die der Zweiten Säule zugehörigen Agrarumweltprogramme seien abhängig von der Ausrichtung auf konkrete Ziele. Insgesamt seien die Reformvorschläge nicht konsequent auf Ziele ausgerichtet und ignorierten beim “Greening” regionale Besonderheiten. Als positive Effekte der geplanten GAP-Reform bezeichnete Brümmer abschließend den Abbau von Verzerrungen auf einzelnen Märkten sowie den erleichterten Marktzugang. Allerdings überwiegen für den Göttinger Agrarökonom die negativen Folgen: Nach wie vor gebe es Verzerrungen und Spielraum für nicht vorhersehbare Eingriffe der Politik, und die gestiegene Komplexität ziehe wiederum ein Mehr an Bürokratie nach sich. Eine über das Jahr 2020 hinaus zukunftsfähige GAP sollte nach Ansicht von Brümmer einen klaren Pfad für den Ausstieg aus den Direktzahlungen beschreiten, das innereuropäische Transfersystem und die GAP trennen, den Strukturwandel begleiten, Einkommenspolitik unter Berücksichtigung der Bedürftigkeit betreiben, im Bereich der öffentlichen Güter das Prinzip der Subsidiarität stärker in den Vordergrund rücken bis hin zu einer Renationalisierung von nur lokal wirksamen Umweltmaßnahmen, im Bereich der Markt- und Preispolitik ein Sicherheitsnetz gewähren.

Text: aid

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