Mehr Soja aus Deutschland?
Fortschritte in der Forschung
(aid) – Mehr Sojabohnenanbau in Deutschland – ist das möglich? Darüber diskutierten Wissenschaftler, Berater und Praktiker auf dem Sojatag Ende Dezember 2012 in Frankfurt, der vom Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FIBL) durchgeführt wurde. Basis der Diskussion waren erste Ergebnisse eines 3-jährigen Forschungsprojektes, bei dem verschiedene Forschungseinrichtungen und Unternehmen gemeinsam züchterische, ackerbauliche und verarbeitungstechnische Lösungen entwickeln, die Anbau und Verwertung von Sojabohnen auch in nördlichen Teilen Deutschlands ermöglichen sollen. Finanziert und koordiniert wird das Projekt vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN).
Als besonders interessant für Landwirte schätzten die Experten vor allem die Sojavermarktung im Lebensmittelbereich ein, insbesondere für die Tofuherstellung. Dr. Volker Hahn von der Universität Hohenheim stellte dazu ein Teilprojekt vor, in dem Zuchtmaterial speziell für die Tofuherstellung selektiert wurde. Erwünscht sind hier vor allem hohe Proteingehalte (45 %) und eine gute Tofufestigkeit, die zurzeit nur wenige Sorten wie etwa “Primus” bieten. Aus den bisherigen Kreuzungen bestehender Sorten mit Primus haben sich laut Hahn mehrere vielversprechende “Kandidaten” herauskristallisiert, die bereits an kommerzielle Züchter weitegegeben wurden.
Dass der Anbau sehr guter Sojaqualitäten für Erzeuger attraktiv ist, bestätigte auch Martin Miersch vom Tofuhersteller Taifun in Freiburg. Für die Saison 2013 will das Unternehmen seinen Vertragsbauern 930 Euro pro Tonne zahlen, allerdings nur für optimale Qualitäten mit Proteingehalten ab 45 Prozent und geringer Feuchte. Diese seien jedoch zurzeit nur in absoluten Gunstlagen am Oberrhein zu erzielen. Dr. Monika Messmer vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Schweiz betonte in ihrem Vortrag, dass die erhältlichen Rhizobienpräparate auf die Sorte abgestimmt sein sollten. Bei Verwendung des richtigen Präparats könnten Landwirte bis zu drei Dezitonnen pro Hektar mehr ernten. Sie verwies zudem darauf, dass eine Qualitätskontrolle der Präparate wünschenswert sei, da bei ihren Untersuchungen das Mittel Radicin selbst bei 20-facher Dosierung keine Wirkung auf die Knöllchenentwicklung hatte.
Markus Mücke von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen stellte Versuchsergebnisse zur mechanischen Unkrautregulierung in Sojabohnen vor. Dabei schnitten Hackvarianten mit Flachhäuflern auf leichten Böden am besten ab. Aber auch der Striegeleinsatz sei vor und nach dem empfindlichen Keimstadium sinnvoll. Trotz der sich abzeichnenden Erfolge der Projekte waren sich alle Teilnehmer einig, dass noch weiterer Forschungsbedarf besteht. Laut Dorothée Hahn, Leiterin des Forschungsmanagements im BÖLN, wird diese Forderung auch vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz unterstützt. So würden in Kürze weitere Forschungsprojekte zur Optimierung des Soja- und Lupinenanbaus in Deutschland ausgeschrieben.
Jürgen Beckhoff, www.aid.de
Foto: ©-Monika-3-Steps-Ahead-Fotolia.com


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