Zukunft in Landwirtschaft und Futtermittelindustrie
verfasst am 10. Juni 2010 von Andrea Juchem | 0 Kommentare
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“Nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit für die Tierhaltung und Futtermittelindustrie in Europa“ lautet das Thema des 25. FEFAC-Kongresses, der in diesem Jahr in Hamburg stattfand. FEFAC ist der Dachverband der europäischen Mischfutterhersteller. Gegründet wurde er 1959 von Berufsverbänden aus 5 EU-Ländern. Heute zählen 21 nationale Mischfutterverbände zu den Mitgliedern.
Den 250 Teilnehmern des Kongresses wurde ein anspruchsvolles Programm geboten. Nach der Begrüßung durch den DVT Präsidenten Helmut Wulf und dem FEFAC Präsidenten Pedro Correra de Barros und einem Grußwort von Dr Walter Töpner, BMELV widmeten sich die Redner des Vormittags den Themen Wettbewerb und Nachhaltigkeit.
“Doom & Gloom or a silver lining?” also Untergang oder Silberstreif, darauf versuchten Herman Versteiljen, Direktor Agrarmärkte bei der EU Kommission, Udo Folgart, Vizepräsident Deutscher Bauernverband und Dr Klaus-Dieter Schuhmacher von Alfred C Toepfer International eine Antwort zu finden.
Herman Versteiljen betonte, dass der EU Kommission daran gelegen ist, die Postion der Landwirte gegenüber den Abnehmern (zu 60% sind dies Genossenschaften) zu stärken. Für die dazu notwendige Gruppenbildung solle von Seiten der Kartellbehörden Ausnahmen gemacht werden. Aber auch die Einführung von Milchtermingeschäften, wie sie in den USA schon integraler Bestandteil des Marktgeschehens sind, soll die Milchmärkte stabilisieren.
Nicht positiv beurteilte er die Verlagerung der Entscheidungen, weg vom Rat hin zu den einzelnen Mitgliedsländern durch die Verträge von Lissabon. Dies führe u.a. dazu, dass Entscheidungen jetzt bis zu 2 Jahren dauern können, statt wie bisher innerhalb eines halben Jahres umgesetzt zu werden.
Auch die Cofinanzierung wurde von ihm kritisch beleuchtet, haben doch einige Mitgliedstaaten mehr Möglichkeiten zur Cofinanzierung als andere, was wiederum zu einer stärkeren Renationalisierung führt.
Weiterführende Links:
- The CAP after 2013
- EU Landwirtschaft und GAP Reform
- Economic Analysis and Evaluation
- EU agricultural policy perspectives
Udo Folgart sieht die deutschen Landwirte auf einem guten Weg sich erfolgreich auf den europäischen und internationalen Wettbewerb zu positonieren. “Für nachhaltigen Erfolg ist nicht Größe, sondern Effektivität und Leistung entscheidend” betonte er. Er appellierte an die Futtermittelwirtschaft, als fairer und transparenter Partner zu agieren und wies auf die Bedeutung der Tierhaltung in der deutschen Landwirtschaft hin, die die Hälfte der Erlöse ausmacht, und hunderttausend Arbeitsplätze bedeutet, auf den Betrieben und in den vor- und nachgelagerten Produktionsstufen.
Ein weiterer Appell ging an die einzelnen Mitgliedsstaaten keine Sonderwege zu gehen, sondern die EU Vorgaben zeitgleich und 1:1 umzusetzen.
Dr Klaus-Dieter Schuhmacher vom Handelshaus Toepfer gab in einem Parforceritt einen Einblick über die Entwicklung der Rohstoffmärkte in den letzten Jahren und einen Ausblick in die Zukunft. Die zur Zeit so niedrigen Getreidepreise führt er zurück auf die Flächenausweitung und den verstärkten Anbau nach dem Preishoch 2007. Dadurch wurden die Mengen gesteigert. Im Jahr 2008 gab es weltweit zudem keinen einzigen Ernteausfall, eine Tatsache die Dr Schuhmacher in den 25 Jahren seiner Tätigkeit noch nicht erlebt hat. Auch die Ernte 2009 war mengenmäßig hervorragend und für 2010 rechnet er mit einer ebensolchen Ernte, so dass auf Sicht vom normalen Markgeschehen her nicht mit einem Preisanstieg bei Getreide zu rechnen ist. Nur steigende Ölpreise, ein schwächer werdender Dollar und der Einstieg der Spekulanten in Rohstoffe könnte eine Änderung herbeiführen. Eine strengere Regulierung der Rohstoffmärkte wäre nach seiner Ansicht sinnvoll, da die Anleger nicht an die gleichen Bedingungen gebunden sind wie wir, die wir die Rohstoffe verbrauchen.
Dass die europäischen Käufer auch nur den geringsten Einfluss auf die Frage nach dem Einsatz von Gentechnik beim Anbau von Sojabohnen haben könnten, darauf wies Dr Schuhmacher am Ende seiner Ausführungen noch recht zurückhaltend hin.
Ein ganz deutliches Nein zu dieser Frage, bekam das Auditorium dann vom nächsten Redner, John Wray, Soja Farmer und Direktor des United Soybean Board (USB). Die Gründe sind von Seiten der Produzenten einleuchtend. Europa hat seine Nachfragemacht verloren. Die chinesische Nachfrage bestimmt den Markt: “GMO´s sind für die Chinesen kein Problem” . Von 1960 – 2001 gingen 70% des Exports von amerikanische Sojabohnen in die EU, heute heute sind es nur noch 20%. China kauft 36% der gesamten amerikanischen Ernte und importiert 46 Mio Tonnen, die EU-27 nur 13. Nach Aussage von Mister Wray werden gentechnisch veränderte Sojabohnen in den USA zu 93%, in Argentinien zu 98% und in Brasilien zu 70% angebaut.
Seine Ausführungen beendete er mit dem “guten” Ratschlag: “Sie müssen versuchen damit klarzukommen.”
Nach einer Podiumsdiskussion endete der sehr spannenden Vormittag. Das Programm des Nachmittags werde ich in den nächsten Tagen in einem weiteren Blogpost behandeln.

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